Alte Kastanie in Unterwaltersdorf - update

Kastanie Unterwaltersdorf

Große Aufregung herrschte bei den Ebreichsdorfer Baumfreunden, als bekannt wurde, dass im Rahmen eines Bauprojektes ein wunderschöner Kastanienbaum aus einer alten Allee geschlägert werden sollte. Sofort setzten sie sich mit dem Bürgermeister der Stadtgemeinde in Verbindung. Sie gaben auch ein schriftliches Statement zu der Situation:

Große Frustration herrscht bei den Baumfreunden. – Viel Gutes hat sich in den letzten Monaten in Ebreichsdorf getan, das Bewusstsein um die Wichtigkeit der Bäume wird langsam ein Allgemeinwissen. Und trotzdem gibt es immer noch viel zu tun. Ein ganz brandaktuelles Thema hat sich diesem Monat aufgetan: in der Goldackerstraße in Unterwaltersdorf wird durch eine Siedlungsgenossenschaft ein Grundstück mit Reihenhäusern verbaut. Um den Platz innerhalb des Grundstückes möglichst gut ausnützen zu können, möchte der Bauträger die bestehende Ausfahrt verlegen. Dafür soll ein großer, alter Kastanienbaum aus der bestehenden Allee weichen. – Es ist traurig, dass so etwas immer noch möglich ist. Hier werden die Gewinne kapitalisiert und die Kosten sozialisiert – indem die Anrainer und Fußgänger Schatten und gute Luft verlieren, indem die Optik einer der schönsten Straßen Unterwaltersdorfs nachhaltig zerstört wird.

Die Baumfreunde fordern eine Baumschutzverordnung für den öffentlichen Raum in Ebreichsdorf. Generell muss so baumschonend wie möglich gebaut werden, das muss schon beim Erteilen der Baubewilligung berücksichtigt werden. Falls es unumgänglich ist, dass ein Baum auf öffentlichem Grund umgeschnitten werden muss, dann muss der zuständige Bauträger zumindest eine Abschlagszahlung oder eine entsprechende Ersatzpflanzung durchführen. Ein ca. 80-jähriger Baum hat eine Klimawirkung von rd. € 65.000. Um diesen Klimaeffekt wettzumachen, müsste man 2.000 junge Bäume pflanzen (Quelle: „Umwelt & Energie“ 2/2020).

 

Erfreulicherweise erwies sich die Politik in diesem Fall als sehr kooperativ. Der Bauträger erhielt von Bgmstr. Wolfgang Kocevar den klaren Auftrag, die Ausfahrt so zu planen, dass der Baum nicht gefällt werden muss.

Wir Baumfreunde hoffen, dass dieser gute Ausgang nicht eine einmalige Geschichte in Vorwahlzeiten war (am 7.6. gibt es in eben diesem Sprengel eine Nachwahl), sondern dass sich hier eine wirkliche Neuorientierung der Politik abzeichnet, die Bäumen endlich die Wichtigkeit einräumt, die ihnen zusteht. Die Baumfreunde werden jedenfalls weiterhin eine Baumschutzverordnung auf öffentlichem Grund einfordern.

 

 

 

 

 

Update September 2020:

Leider ist nicht jeden Tag Weihnachten, das mussten die Baumfreunde" schmerzlich erkennen.

Sah es vor einigen Wochen noch so aus, als sei die alte Kastanie in der Goldackerslraße in Unlerwaltersdorf gerettet (wie wir in unserem letzten Beitrag schrieben), so musste jetzt zur Kenntnis genommen werden, dass dies doch nicht möglich ist. Da die Baumfirma über alle notwendigen Baugenehmigungen verfügt und die Grundstücke bereits verkauft sind, ist eine Umplanung nicht mehr möglich. Die einzige Variante zur Baumreltung wäre gewesen, die Wurzeln zu überplatten und die halbe Krone zu beschneiden, das hätte der Baum auf Dauer sicherlich nicht überlebt. Daher wurde die Entscheidung zur Fällung getroffen.

Die positive Seite ist, dass sich die Baufirma nach Verhandlungen mit Gemeindevertretern und Vertretern der Baumfreunde freiwillig dazu

bereit erklärte, Geld in die Hand zu nehmen und die Neupflanzung von 8-10 Bäumen im Wert von insgesamt 8.000-10.000 Euro in der Goldackerstraße zu finanzieren. Zusätzlich wurden auch von Bürgermeister Kocevar weitere Bäume zugesagt. Das alles soll den Verlust dieses Baumes ausgleichen.

So erfreulich dies ist, ein bitterer Beigeschmack bleibt doch. Ein alter Baum ist ein alter Baum, und bis junge Bäume die gleiche Klimaleistung erzielen, werden noch viele Jahre ins Land ziehen. Und das Bild einer einheitlichen Allee ist leider auch zerstört. Was zu hoffen bleibt, ist, dass in Zukunft solche Dinge nicht mehr geschehen werden. Die neue Umweltstadträtin Maria Melchior arbeitet nun

an einer Baumschutzverordnung im öffentlichen Raum - damit wären Schlägerungen auf öffentlichem Grund für private Bauprojekte nicht mehr so einfach durchzuführen. Der Kastanienbaum wurde mit einer Trauerschleife versehen, um die Geschichte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Wir hoffen, dass dies der letzte Baum in Ebreichsdorf ist, der unnötigerweise sterben muss.

  • Ebreichsdorf

artikel_gemeindezeitung_Ebreichsdorf_august_2020.pdf

Title Text: 

Artikel Gemeindezeitung Ebreichsdorf August 2020

Media Folder: